Sonntag, 19. September 2010

Rückblick: Ganesh, Gauri und Gefühlsachterbahn

Die letzte Woche ist so schnell vergangen, dass ich kaum dazu komme, die Gedanken und Bilder in meinem Kopf zu ordnen und zu verarbeiten, die Erfahrungen nachwirken zu lassen. Ungläubig sehe ich am Abend auf die Uhr, die mir weismachen will, es sei ein Uhr nachts. Die Tage rasen dahin, am nächsten Morgen sind die Spuren des letzten Abenteuers schon verblasst und die nächsten Eindrücke prasseln auf mich ein.

Diese Woche war geprägt vom Chaos des Festivals und überschattet durch mehr und mehr Fälle von Dengue in der amerikanischen Truppe. Sie zeichnete sich aus durch die unfassbare, mich sprachlos hinterlassende Gastfreundschaft der Inder, durch stetig ausfallenden Unterricht, durch meine ersten Lehrversuche mit zwei Studierenden bzw. mit einer Studentin und der Unmöglichkeit Pläne zu schmieden. Ich musste oft gegen Tränen ankämpfen, sei es aufgrund der Enttäuschung, dass wieder niemand zum Unterricht erschienen war, oder wegen der Hilflosigkeit im Angesicht der Lebensbedingungen eines Großteils der Menschen in diesem Land. Ich tauchte ein in die Traditionen, die Mythologie, die Religion und auch die Unfreiheit der Frauen. Ich trug einen Sari, kämpfte mich durch Menschenmassen, fühlte mich im Angesicht des Lichtermeers an Weihnachten erinnert, rang mit Worten, um meine Gefühlswelt zu beschreiben, erkundete zu Fuß die Gegend, wandelte in den Räumen des Aga Khan Palace und auf Gandhis Spuren bis zu seiner Asche, genoss den Anblick eines blauen Himmels, litt unter der nun folgenden Hitze (die hier nur als angenehm charakterisiert wird, für mich aber fast unerträglich ist), verfolgte in der Zeitung die Auswirkungen des Terroranschlags auf die German Bakery am 26.11.2009 (die Festnahme der Drahtzieher, die Diskriminierung von Muslimen), begeisterte mich erneut für die Tänze und den ihnen innewohnenden Geschichten, begann über den Begriff Freundschaft nachzudenken, war gerührt von einem überraschenden Geschenk einer Studentin, fühlte mich überfordert damit, für viele Menschen eine Attraktion zu sein und bemerkte schließlich, wie bitter nötig ein Tag Ruhe war.

Sicher für die nächsten Wochen sind eine Reise nach Aurangabad und zu verschiedenen Höhlen, ein Trip nach Goa und die Übernahme einiger Stunden im neu kennengelernten Fergusson College. Die Einzelheiten können nicht geplant werden. Sie ergeben sich von Tag zu Tag, bisweilen von Stunde zu Stunde. Noch wehrt sich etwas in mir hartnäckig gegen die indische Mentalität, erlaubt ihr nur sehr langsam, mich zu ergreifen...


Start des Ganesh-Festivals am Samstag


Alle sind herausgeputzt. Sogar die Babies :)







Opfergaben für Ganesh

Der berühmteste und goldenste Ganesh






Rangoli-Kunst







Mein erster Bollywood-Film!

Ein Eindruck:
http://www.youtube.com/watch?v=Qv1ZE3lgxro&feature=related


Aga Khan Palace



German Bakery

Mehr Rangoli-Kunstwerke


Gauri-Pooja

Meine Wenigkeit und Sulbha, bei der ich zur Feier eingeladen war


Bollywood-Style :D

Kreatives Schreiben

Alex (eine der Amerikanerinnen, die hier wohnt) mit ihrer selbstgemachten Ganesh-Figur

Nehmt das, ihr Biester!

Fergusson College



Bharatnatyam

Kathak

Freitag, 10. September 2010

Augenblicke einer Woche...

In einer Woche habe ich fast den Verstand verloren, ein paar Magenprobleme gehabt, arm und reich aufeinanderprallen sehen, unfassbar viele nette Leute getroffen, Plätze kennengelernt, einen Trip nach Goa gebucht, traditionellen Tänzen und Gesängen im Theater beigewohnt und dabei geweint vor Begeisterung. Ich habe immer schärferes Essen probiert, Süßes genascht, an einer Yoga-Stunde teilgenommen, ein bisschen Marathi gelernt, am Abend immer doch noch eine Autoriksha gefunden, eine Prepaidkarte und einen Internetstick organisiert, meine Miete bezahlt und bemerkt, dass hier nicht „Danke“ gesagt wird. Ich bin gemeinsam mit der Lehrerin wegen Fragen zum Konjunktiv I verzweifelt, fremde Straßen entlang geschlendert, ohne verloren zu gehen und immer zu früh in der Uni gewesen. Ich habe im Raja Dinkar Kelkar Museum mit dem Fotoausweis hunderte Dinge festgehalten, Ganesha in allen Formen, Farben und Größen gesehen, erfahren, dass 37 Prozent aller Inder unter der Armutsgrenze leben, einen Tempel besucht und mich unwohl gefühlt, abends regelmäßig mit den netten Mädels, die hier auch wohnen, unfassbar leckere Speisen genossen, ein langes Gespräch über arrangierte Ehen mit einer Studentin geführt, die mich danach bat, niemanden etwas von ihrem Freund zu erzählen. Ich bin mittlerweile daran gewöhnt, keine gewöhnliche Dusche zu besitzen, dafür aber ein luxuriöses Klo und trotz des Einsprühens ungefähr 20 Mückenstiche. Ich kann mir mittlerweile vorstellen, die Einladung zu einer Rollerfahrt anzunehmen, abends mal wegzugehen, eine Unterrichtsstunde zu gestalten oder ein Extraprogramm anzubieten und dass sieben Wochen im Endeffekt wie ein Wimpernschlag vorbeigehen werden.

Mein kleines Reich


Bad

Das Haus

Besuch der Laxmi Road


Ganesh


Sehr wichtige Person

Schilderfetisch




Immer und überall Tee

Tanzaufführung


Die bis jetzt einzige gesichtete Fußgängerampel

Punes Gesichter